Menschen mit Lernstörungen wie Legasthenie stehen zahlreiche Hilfsmittel und Bewältigungsstrategien zur Verfügung. Sie erleichtern ansonsten schwierige Aufgaben wie komplexes Lesen und Textverständnis.
Bei schwereren Fällen neurologischer Störungen kann ein Besuch bei einem Neuropsychologen sinnvoll sein. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über den neuropsychologischen Diagnoseprozess und was Sie dabei erwartet.
Was ist ein Neuropsychologe?
Ein Neuropsychologe befasst sich mit den psychologischen Aspekten der Gehirnfunktion. Er ist darauf spezialisiert, die Beziehung zwischen Gehirn und Verhalten zu verstehen. Zu den Störungen, die Neuropsychologen diagnostizieren, zählen:
- Entwicklungsstörungen
- Sprachstörungen
- Lernstörungen
- Leseschwierigkeiten
- Probleme mit exekutiven Funktionen
Als eine der häufigsten Lese- und Lernstörungen wurde Legasthenie im Laufe der Zeit unterschiedlich definiert und gilt heute als Sammelbegriff. Die Definitionen stammen von der International Dyslexia Association (IDA), dem Diagnostischen und Statistischen Manual (DSM-5) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Trotz unterschiedlicher Definitionen sind sich alle einig, dass Legasthenie eine neurobiologische Störung ist und damit in das Fachgebiet des Neuropsychologen fällt.
Neben Legasthenie kann ein Neuropsychologe auch weitere spezifische Lernstörungen wie Dysgraphie und die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostizieren.
Auf Grundlage der Ergebnisse empfiehlt er ein spezielles Förderprogramm, etwa einen IEP (individualisierten Bildungsplan). Außerdem können gezielte Hilfsmittel und Methoden vorgeschlagen werden, um die Worterkennung, phonologische Verarbeitung und andere betroffene Lesefähigkeiten zu verbessern.
Was ist also für eine Diagnose und Empfehlungen zur Behandlung oder zum Umgang erforderlich? Werfen wir einen genaueren Blick auf den Prozess der neuropsychologischen Diagnostik.
Was erwartet Sie bei einer neuropsychologischen Untersuchung?
Wenn Sie erwachsen sind, können Sie einen Termin direkt bei einem Neuropsychologen vereinbaren. Bei jüngeren Kindern übernimmt dies meist ein Elternteil oder der Schulträger.
Vor Ort fragt der Neuropsychologe nach Ihren Symptomen. Sie schildern Ihre Beweggründe für den Besuch und warum Sie vermuten, von Legasthenie betroffen zu sein.
Anschließend erhebt der Neuropsychologe Ihre Familienanamnese. Genetische Faktoren gelten als aussagekräftig für Lesestörungen wie entwicklungsbedingte Legasthenie. Wenn es Fälle in Ihrer Familie gibt, steigt auch Ihr Risiko.
Dieser Schritt ist entscheidend, da es unterschiedliche Arten von Lesestörungen gibt. Eine familiäre Vorgeschichte kann helfen, die Ursachen gezielter einzugrenzen.
Im nächsten Schritt prüft der Neuropsychologe verschiedene Bereiche Ihrer Lesefähigkeit. Möglicherweise wird ein spezieller Legasthenietest durchgeführt, der Ihre Leseleistungen präzise erfasst und Defizite wie Verarbeitungs- oder Arbeitsgedächtnisprobleme identifiziert.
Sobald die Testergebnisse vorliegen, werden sie ausgewertet und individuelle Empfehlungen gegeben. Frühzeitige Maßnahmen sind entscheidend für eine erfolgreiche Förderung, daher erhalten Sie Tipps zu Hilfsmitteln und Ressourcen für einen besseren Umgang mit Legasthenie.
Dazu zählen Bücher wie „Legasthenie“ von Sally Shaywitz und weitere Materialien für ein besseres Verständnis der eigenen Situation. Da schwache Leser oft mit geringem Selbstwertgefühl kämpfen, kann der Neuropsychologe auch eine Therapie oder andere Unterstützungsmaßnahmen empfehlen.
Auch Kinder mit Legasthenie erhalten gezielte Förderhinweise sowie Empfehlungen für Apps und Übungsmaterialien zur Worterkennung und zum Leseverständnis.
Wenn Sie die vorgeschlagenen Methoden anwenden, finden regelmäßige Nachsorgetermine statt, damit Ihr Neuropsychologe Ihren Fortschritt beurteilen kann.
Die Bedeutung einer Fachzertifizierung
Bei der Auswahl eines Neuropsychologen sollten Sie unbedingt auf eine Fachzertifizierung und entsprechende Zusatzqualifikationen achten. Stellen Sie vor der Terminvereinbarung sicher, dass Ihr Neuropsychologe Mitglied der American Academy of Clinical Neuropsychology (AACN) und vom American Board of Clinical Neuropsychology (ABCN) zertifiziert ist.
Das ist wichtig, da manche Ärzte Neuropsychologie praktizieren, ohne die notwendige ABCN-zertifizierte Ausbildung. Das kann zu Fehldiagnosen und weniger wirksamen Empfehlungen führen.
Selbst wenn sie anhand der Überweisung die richtige Diagnose stellen, können weitere Symptome anderer Erkrankungen unter Umständen übersehen werden. Dadurch erhalten Sie womöglich nicht die passende Unterstützung.
Speechify – ein hilfreiches Tool für das Textverständnis
Wenn Sie Unterstützung im Umgang mit Legasthenie suchen, empfiehlt sich eine Text-to-Speech-Lösung wie Speechify.
Mit Speechify können Sie jeden Text in gut verständliche Audioformate umwandeln und so die Hürden der Legasthenie leichter überwinden. Die zahlreichen Funktionen bieten eine hervorragende Alternative zum klassischen Lesen.
Speechify bietet über 30 Stimmen zur Auswahl, sodass Sie Ihre bevorzugte Stimme finden können. Mit Unterstützung für mehr als 20 Sprachen ist es auch ideal für das Sprachenlernen.
Sie können Speechify zum Lernen und Arbeiten nutzen oder aus jedem E-Book oder Taschenbuch ein Hörbuch machen. So lassen sich unzählige Titel – von Indie-Werken bis zu Bestsellern – Ihrer persönlichen Audiobibliothek hinzufügen.
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FAQs
Kann ein Neuropsychologe Legasthenie diagnostizieren?
Ja, ein Neuropsychologe kann Lesestörungen wie Legasthenie diagnostizieren.
Ist Legasthenie eine neuropsychologische Störung?
Streng genommen ist Legasthenie neuroentwicklungsbedingt, da sie auf Störungen der neuronalen Bahnen und Neurotransmitter zurückzuführen ist.
Lässt sich Legasthenie im Gehirnscan erkennen?
Gehirnscans können Legasthenie nicht eindeutig nachweisen. Für die endgültige Diagnose werden evidenzbasierte Untersuchungen durch einen Neuropsychologen eingesetzt.
Kann Legasthenie bei Kindern diagnostiziert werden?
Legasthenie wird meist im Vorschul- oder Grundschulalter erkannt, da die ersten Anzeichen dann sichtbar werden.
Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und Dyspraxie?
Legasthenie betrifft speziell das Lesen, etwa das phonologische Bewusstsein und die auditive Verarbeitung. Dyspraxie hingegen beeinträchtigt Bewegung und Koordination.
Was sind Symptome von Legasthenie?
Typische Symptome sind eine geringe Lesegeschwindigkeit und -flüssigkeit sowie Schwierigkeiten bei der Bedeutungsverarbeitung oder beim Aussprechen bestimmter Laute.
Ist Legasthenie genetisch bedingt?
Ja, Fachleute aus Psychiatrie und Neurowissenschaften gehen davon aus, dass Legasthenie eine genetische Komponente hat.

